Wohin mit der Kohle?

Be an Angel e.V. ist von der Staatsoper unter den Linden als begünstigte Charity Organisation ausgewählt worden. Wir sind sprachlos vor Freude. Und so räumen wir den Weg frei, damit das Geld richtig ankommt.

Seit einem Monat ist eines unser Lieblingsevents der Sozialgerichts-Dienstag. Wir, als große Freunde der gehobenen Behördenunterhaltung, treten um elf Uhr morgens an, um Geflüchteten zu ihren Rechten zu verhelfen. Das Chaos am Landesamt für Gesundheit und Soziales (kurz LaGeSo) hat es ja zu “Ruhm” gebracht. Von der “heute show” bis zu den Tagesthemen, von der New York Times bis LaCetera aus Chile. Die Bilder von Menschen, die nächtelang auf der Straße campieren müssen, um am nächsten Tag eventuell-vielleicht-wahrscheinlich-nicht, den erteilten Termin beim Sachbearbeiter wahrzunehmen, gehen um die Welt. Nur in Berlin, in Berlin ändert sich was? Nix.

…und an das Sozialgericht. Zum Dienstags-Treff, den wir initiiert haben, um denen, die mit vierzig Cent in der Tasche seit zehn Tagen obdachlos durch Berlin wandern, mit einem Eilantrag gegen das LaGeSo endlich einen Termin zu verschaffen. Vierzig Cent? Zehn Tage obdachlos? Ja. Ein Beispiel von vielen. Auf den Korridoren der Behörde tummeln sich zum Termin bis zu achtzig Menschen, die nicht mehr weiter wissen, aber müssen. Die Berliner Morgenpost berichtet über eine Petition (initiiert von Fabian Jain) endlich etwas am LaGeSo zu ändern:

“Andreas Tölke vom Verein “Be an Angel” ist dazu übergegangen, beim Sozialgericht mit Eilanträgen Leistungen zu erstreiten. Letzte Woche war er mit 31 Menschen beim Gericht, Dienstag sollen es 50 sein. Denn es gebe Flüchtlinge, die aus Heimen geworfen würden, weil das LaGeSo keine Kostenübernahme ausgestellt habe. Dabei hätten die Menschen einen Rechtsanspruch nach dem Asylbewerbergesetz.”

Anekdote am Rande: Fabian Jain, von KU64 Zahnärzten wurde von uns kontaktiert, um Geflüchteten mal den Zahn zu ziehen. Wir hatten Gäste, die mit üblen Entzündungen die Flucht hinter sich gebracht haben und das KU64 Team hat “einfach so” geholfen. Und schon war der Ball im Rollen, der sich schlussendlich in der Petition niederschlug. Über 100.000 haben gezeichnet; Unterschreiben macht übrigens auch jetzt noch unbedingt Sinn!
Petition: Menschenunwürdige Zustände vor dem LaGeSo beenden

Aber zurück ins Gericht:

Bis dato haben wir über 200 Anträge gestellt, werden mittlerweile von Richtern und Protokollführern auf kurzen Dienstweg bei Fragen einfach angerufen und Rhianna tritt zum Termin mit “Catering” an. Schon mal ‘ne Behörde gesehen, wo an Wartende Tee, Kaffee und Schnittchen ausgegeben werden? Be an Angel macht’s möglich!

IMG_4365Bei Häppchen und Anträge ausfüllen kommen Geschichten zutage, die einem die Haare zu Berge stehen lassen … Und getreu dem Motto: Ärmel hochgekrempelt, gibt’s für die Engel nur eine Option: Da geht was.

So auch bei den Vadohs aus Kabul. Mutter mit zwei Kindern, deren Vater bei der Flucht ums Leben kam.

Die Flucht hat nun ein Ende, ein Zuhause ist gefunden! Wir haben eine Wohnung für Euch. Fest. Zwei Zimmer, Küche, Bad – klein und fein.

Nach Monaten unterwegs, nach schlimmsten Erlebnissen, nach Willkommenskultur à la Czaja (Dem Senator zuständig für das LaGeSo), ist der Glaube an das Gute auf ein Minimum geschrumpft. Es hat eine Stunde gedauert, ungefähr fünf Mal die Bestätigung “Ja, wirklich! Nur für Euch.” bis es bei allen Dreien angekommen ist: Und das wurde umarmt. Dafür machen wir das mit aber auch ohne Umarmung: Dass eine Familie, die ihren Vater, ihren Ehemann auf der mörderischen Flucht verloren haben, hier in Sicherheit eine Heimat finden. Und wenn sie es noch können, sich mit uns darüber freuen.

Charity Partner der Staatsoper unter den Linden

Wir machen das, weil wir es können, weil uns geholfen wird. Ganz aktuell von der Staatsoper unter den Linden. Be an Angel ist offizieller Charity Partner der Staatsoper!

Einer der Engel, Joana Benk, war dort, hat ‘Be an Angel’-Spendendosen abgegeben und die erste Barschaft mitgenommen. Am Abend zuvor hatte La Traviata Premiere. Aber vorher (und ab dem 22. Dezember auch jeden Abend) wurde das Publikum angesprochen:

“Sehr verehrtes Publikum, sehr verehrte Damen und Herren,

wie Sie alle wissen, werden uns die Flüchtlingsströme aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens noch eine ganze Weile beschäftigen. Nach wir vor gibt es viele Menschen in Not, die dringend unsere Hilfe benötigen. Die Staatsoper möchte dabei gerne ihren Beitrag leisten, diesen Menschen zu helfen, zumal in der kalten Jahreszeit.

Dazu haben wir Verbindung aufgenommen zu einer Hilfsorganisation, die sich intensiv darum kümmert, den ankommenden Flüchtlingen schnell und unbürokratisch zur Seite zu stehen. Be an Angel, so der Name des eingetragenen Vereins, ist vor Ort am Landesamt für Gesundheit und Soziales nicht weit vom Schillertheater entfernt. Die ehrenamtlichen Helfer von Be an Angel begleiten zurzeit 36 Familien und Einzelpersonen langfristig als direkte Betreuer und geben über 130 Geflüchteten akute Hilfestellung, z.B. durch die Suche nach Obdach in privaten Unterkünften, das Anmieten von Wohnungen für ganze Familien, für die Erstausstattung und vieles mehr. Be an Angel macht den Geflüchteten Mut, indem sie signalisieren: Wir sind hier, wir helfen euch, wir hören euch zu. Jedem einzelnen, weil jedes Leben das Recht hat, in Würde gelebt zu werden.

Unser Abenddienst wird in der Pause und nach der Vorstellung mit den Spendenboxen bereit stehen. Wir versichern, dass jeder von Ihnen heute gespendete Euro bei den Hilfesuchenden ankommt.

Herzlichen Dank für Ihre Hilfe und vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!”

So. Das Geld kommt an und lässt Menschen ankommen.

Danke Staatsoper unter den Linden, danke Jürgen Flimm, danke Barbara Krüger, danke jedem Einzelnen für jeden einzelnen Euro. Danke für mitfühlende Herzen, die sich nicht beirren lassen in der Gewissheit, dass ausnahmslos jeder Mensch ein Mensch ist.

 

(Im Hintergrund läuft zufällig gerade Coldplay – Fix you:

“Lights will guide you home

And ignites your bones

And I will try to fix you”)

Ein Pfund Liebe von den Engeln

 

 

Engelsein in schwierigen Zeiten - derstandard.at
Helping: Be an Angel - SWISS MAGAZINE

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